
Mein persönlicher Bezug zu Hammerklavieren basiert auf der Faszination, einen Klang zu hören, verstehen und zu erfahren, wie er wohl vor einigen Jahrhunderten den Komponisten als Grundlage für deren Kompositionen gegeben war. Es beinhaltet auch, diese Instrumente nicht als Relikt aus vergangener Zeit zu sehen, sondern eben als Mittel, die Klangvorstellung der großen Meister zu begreifen. Diese Authentizität lässt die Kompositionen "originaler" und quasi als "ungefilterten Genuss" erscheinen. Der Name "Hammerklavier" bedeutete ursprünglich dasselbe wie "Pianoforte" oder "Fortepiano". Erstmals wurde dieser Begriff von Beethoven zur Verdeutschung dieser beiden Fremdwörter verwendet. Heute versteht man unter Hammerklavier die Vielzahl der verschiedenen Klaviertypen (etwa zwischen Mozart und Brahms), die unserem modernen Klavier vorausgingen. Klangen die frühen Hammerklaviere der Mozartzeit noch sehr cembaloähnlich (sie waren auch fast wie ein Cembalo gebaut: ganz aus Holz, mit einem dünnen Resonanzboden und dünnen Saiten), so entwickelte sich durch die Vergrößerung des Umfangs (von fünf Oktaven auf mehr als sieben Oktaven) auch das Tonvolumen. Das verlangte eine entsprechend stärkere Konstruktion (dickere Saiten, größere Hämmer und stärkere Resonanzboden). Es gipfelte schließlich in dem Einbau eines durchgehenden Eisenrahmens (um 1860). Auch wurde das Leder auf den Hammerköpfen bei den Bemühungen um einen kräftigeren Klang durch Filz ersetzt, und diese Entwicklung entsprach dem aufkommenden Virtuosentum.
Die Musik der Klassik und Romantik wurde nicht für unsere heutigen Instrumente geschrieben. So besaßen Mozart, Beethoven und Schubert Klaviere, die sich von unserem heutigen modernen Flügel doch stark unterschieden. Für diese Instrumente komponierten sie und rechneten daher zwangsläufig mit deren besonderen Eigenarten und Möglichkeiten. Man sollte sich aber nicht dem falschen Glauben hingeben, dass Musikinstrumente der früheren Jahrhunderte unvollkommene Vorläufer der heutigen Instrumente seien. Diese Instrumente sind in ihrer Art genauso vollkommen wie die Musik ihrer Zeit und so entsprechen sich der musikalische Stil und der Klang des jeweiligen Instrumentariums. Diese Erkenntnis, die sich durch die Beschäftigung mit historischen Instrumenten und der ihnen entsprechenden Spielweise und Aufführungspraxis gewinnen lässt, kann zum Verständnis der jeweiligen Musik entscheidend beitragen.
Michael Krücker

Tonträger mit Aufnahmen auf historischen Instrumenten:
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